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Im Schuljahr 2006/2007 war das Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung der Stadt Herne eine von zwei Pilotschulen im Regierungsbezirk Arnsberg, die sich in einer Schulinspektion einer Qualitätsanalyse gestellt haben. Dabei konnte unser Berufskolleg in vielen Bereichen das höchste Qualitätsniveau erreichen, wie zum Beispiel in den Prozessqualitäten des Systems Schule, der systematischen Schulentwicklung und Qualitätssicherung und in Teilen der Prozessqualität des Unterrichts.

Allerdings zeigten sich bei uns wie auch in der Qualitätsanalyse aller untersuchten Schulen natürlich auch Verbesserungspotentiale, an denen wir intensiv arbeiten. Aus den Ergebnissen der Qualitätsanalyse wurden Handlungsfelder abgeleitet, an denen sich die pädagogische Arbeit zeitnah orientieren soll. Dies sind insbesondere

    • die individuelle Förderung und Unterstützung sowie
    • selbstgesteuertes und kooperatives Lernen im Unterricht.


thumb_pict0450.jpgAm Dienstag, den 12. Februar 2008, fand nun an unserem Berufskolleg im Anschluss an den Unterricht für das Kollegium ein Pädagogischer Nachmittag statt, der die Grundlage für einen zweiten Pädagogischen Nachmittag am 19. Februar 2008 schaffen sollte.

Auf Einladung von Schulleiter Heribert Gathmann hielt der renommierte Dortmunder Universitätsprofessor Prof. Dr. Günter Pätzold einen Vortrag zum Thema "Selbstgesteuertes Lernen und kooperatives Lernen in der beruflichen Bildung". Prof. Pätzold betreut im Bereich der Berufspädagogik wesentliche Forschungsprojekte zu diesem Thema, wie zum Beispiel den Modellversuch SKOLA "Selbst gesteuertes und kooperatives Lernen in der beruflichen Erstausbildung" und hierunter den Modellversuch "Selbstreguliertes Lernen in Lernfeldern der Berufsschule" (SEGEL-BS).

An dieser Stelle werden die wesentlichen Thesen und Aussagen des Vortrags von Prof. Pätzold zusammengefasst:

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Die „individuelle Förderung“ von Schülern, die auch in § 1 des Schulgesetzes verankert ist, bildet einen elementaren Bestandteil von Schul- und Unterrichtsentwicklung.

Eine auf die individuelle Förderung bezogene Lernumgebung ist gekennzeichnet durch eigenständige Lernprozesse bzw. selbstgesteuertes Lernen. Diese Lernprozesse werden idealerweise als Projektarbeit und Gruppenarbeit mit tutorieller Unterstützung des Lehrers organisiert. Sie beinhalten anregungsreiche Aufgaben und ermöglichen unterschiedliche Lernwege.

Selbstgesteuertes Lernen bedeutet, dass der Lernende in folgenden Bereichen seinen Lernprozess aktiv mitgestaltet:

    • Lernorganisation (Entscheidung über Lernorte, Lernpartner, Lerntempo)
  • Lernkoordination (Abstimmung des Lernens mit anderen Tätigkeiten)

    • Lernen im engeren Sinne (Lernzielbestimmung, Festlegung von Lernstrategien, Aufrechterhaltung von Motivation und Volition, Evaluation seines Lernerfolgs)

Diese Selbststeuerung wird begünstigt durch kooperatives Lernen, bei dem Lernende in so kleinen Gruppen zusammen arbeiten, dass jedes Gruppenmitglied einen Beitrag zu einer Aufgabe leisten kann, die vorgegeben ist und gemeinsam gelöst werden muss.

Dabei ist der Lehrer gefordert, intellektuell anspruchsvolle Aufgaben mit klaren Zielvorstellungen zu erstellen, die nicht nur eine richtige Lösung zulassen und somit Interaktion erfordern. Eine angemessene Wissensdivergenz zwischen den Gruppenangehörigen ist vorteilhaft, um Kooperation anzuregen.

Das selbstständige Lernen muss schrittweise mit den Schülern geübt werden und eine Instruktion und Lernprozessbetreuung durch den Lehrer sind unabdingbar. Erst nach und nach ist die freie Arbeit in der Gruppe mit einer Lernberatung durch den Lehrenden möglich (Scaffolding).

Im weiteren Verlauf des Vortrags referierte Prof. Pätzold über die „Selbstwirksamkeit“ als Einflussgröße kompetenter Selbststeuerung.

„Selbstwirksamkeit kennzeichnet die subjektive und kontextspezifische Überzeugung, Erwartung und Beurteilung, neue oder individuell herausfordernde Anforderungssituationen aufgrund eigener Kompetenzen bewältigen zu können. Eine hohe Selbstwirksamkeit wird begünstigt durch

  • ein hohes Anspruchsniveau

  • ein effektives Arbeitszeitmanagement

  • eine große strategische Flexibilität bei Problemlösungen

  • eine hohe Anstrengung und Ausdauer

  • eine realistische Einschätzung der Güte der eigenen Leistung

  • selbstwertförderliche Ursachenzuschreibungen

  • bessere Leistung“

Mit selbstgesteuerten Lernprozessen verbundene Erfolgserfahrungen wirken sich förderlich auf die Entwicklung,thumb_pict0460.jpg Stabilisierung und Dynamik positiver Selbstwirksamkeitserwartungen aus.“

Im Anschluss an den Vortrag informierten verschiedene pädagogische Arbeitsgruppen innerhalb der Schule das Kollegium über ihre Arbeitsergebnisse und formulierten ihre Ziele für die weitere Vorgehensweise. Aus diesen Arbeitsgruppen formierten sich sieben Workshops, in denen die Lehrerinnen und Lehrer an einem Pädagogischen Nachmittag am 19. Februar 2008 arbeiteten.

Workshop 1:

Optimierung der Schulentwicklungsgespräche – Gestaltung der Fragebögen, Konsequenzen aus den Gesprächen, z.B. individuelle Förderpläne

 

ws1.jpgVor und während der Schullaufbahn an unserer Schule finden verschiedene individuelle Schüler-Lehrer-Gespräche statt: Nach der Anmeldung für einen Bildungsgang erfolgt ein erstes Beratungsgespräch, indem die richtige Wahl des Bildungsganges noch einmal gemeinsam überprüft wird. Im Laufe des ersten Halbjahres erfolgen dann so genannte Entwicklungsgespräche, bei denen einerseits über mögliches Verbesserungspotential hinsichtlich der gezeigten Schulleistungen gesprochen wird (Stichwort: Individuelle Förderung), andererseits aber auch eine mögliche weitere Schullaufbahn an unserer Schule thematisiert wird. Im Workshop sollte überlegt werden, wie die Beratungsgespräche optimiert werden können, damit die Schüler eine erfolgreiche Schulzeit erleben. Zunächst wurden die Erfahrungen der Vergangenheit gesammelt, um anschließend den Beratungsbogen zu überarbeiten und den Beratungsablauf zu optimieren (Einladung an Schülergruppen, interne Informationsveranstaltung für interessierte Schüler aus den Bildungsgängen HU/HO, BGJ und BF 1, Veröffentlichungen auf der Homepage über die durchgeführten Leistungstests, mögliche Mindeststandards in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch, Umgang mit unentschuldigten Fehlzeiten etc.). Im zweiten Teil des Workshops sollten die Entwicklungsgesprächsbögen thematisiert werden. Die Entwicklungsgespräche dienen dazu, dass die Schüler ihr bisheriges Schuljahr anhand eines Fragebogens reflektieren. Im Anschluss an das Gespräch werden Zielvereinbarungen getroffen. Bislang existierten verschiedenen Reflexionsbögen in den unterschiedlichen Bildungsgängen. Im Workshop wurde ein überarbeiteter Bogen erstellt, der allen Bildungsgängen zur Verfügung gestellt wird.
Workshop 2:

 

Selbstlernzentrum – Organisation, Einsatzmöglichkeiten, Zusammenarbeit der Beteiligten

thumb_ws2.jpgDas Selbstlernzentrum ist jetzt seit fast einem halben Jahr in Betrieb, wird jedoch noch zu wenig von den Schülern (gemessen an der Anzahl der Schüler) genutzt. Soll man die Freiwilligkeit in den Vordergrund stellen oder sollten Schüler zu ihrem Glück gezwungen werden? Kann man Unterrichtskonzepte entwickeln, die das Selbstlernzentrum integrieren? Mit diesen Fragestellungen befassten sich die Mitglieder des Workshops 2 und konnten in der Präsentationsphase einige neue Verbesserungsmaßnahmen vorstellen.

Oberstes Ziel sollte es sein, die Kommunikation über das Angebot des Selbstlernzentrums zu verbessern. In verschiedenen Bereichen der Schule sollen Infoecken - sowohl für Lehrer als auch für Schüler - eingerichtet werden. Ein neuartiger - vom Lehrer ausgefüllter - Laufzettel, mit dem die Schüler in das Selbstlernzentrum kommen, soll helfen, dem Kollegen dort mitzuteilen, welche Aufgaben die Schüler dort erledigen möchten bzw. müssen. Eine "interne Schülerhilfe" soll Schüler bei der selbstständigen Bildung von Arbeitsgruppen unterstützen.
Workshop 3:

Individuelle Förderung: Diagnosen erstellen (Ermittlung der schriftsprachlichen Kompetenz/ Lernstandserhebung) und Förderinstrumente einsetzen (Lerntagebuch/ Lesetagebuch)

Insbesondere im Berufsgrundschuljahr werden zu Beginn des Schuljahres seit einigen Jahren so genannte Lernstandserhebungen durchgeführt, um die schriftsprachliche Kompetenz der Schüler zu ermitteln und den individuellen Förderbedarf des Einzelnen festzulegen. In diesem Workshop wurde diskutiert, wie die Lehrer im Unterricht - zum Beispiel anhand besonderer Aufgabenstellungen die Ergebnisse dieser Lernstandserhebungen in einem Förderkonzept berücksichtigen können. Die bisher entwickelten Förderkonzepte sollen nun im BGJ auf das Fach Englisch übertragen werden. Es soll aber auch geprüft werden, ob das Förderkonzept in andere Bildungsgänge (z.B. BF1 oder Zahnmedizinische Fachangestellte) übernommen werden kann.

Workshop 4:

Lern- und Arbeitstechniken als Schnittstelle zwischen Unterrichtsfächern selbsgesteuertem Lernen und individueller Förderung. - Entwicklung von Förderplänen

 

thumb_ws4.jpgDas Fach Lern- und Arbeitstechniken hat sich im Bildungsgang Höhere Berufsfachschule etabliert. Im letzten Jahr haben einige Umstrukturierungen das Fach neu belebt. Ausgangspunkt der Workshop-Arbeit sollte die während der Staatsarbeit angestellte Untersuchung der Referendarin Claudia Brosda darstellen. Formulierte Konsequenzen dieser Arbeit sollten in die konzeptionelle Arbeit des Fachs LAT integriert werden. Auch hier waren die Kollegen sehr produktiv und konnten wichtige neue Vorschläge zu diesem Fach erarbeiten. Die zwei Unterrichtsstunden pro Woche sollen einerseits das klassische Methodentraining und andererseits eine Hausaufgabenbetreuung beinhalten, die den Schülern die Möglichkeit gibt, Lern- und Arbeitstechniken an konkreten Inhalten zu erlernen. Zur besseren individuellen Förderung des einzelnen Schülers im Bereich der Methodenkompetenz soll im Klassenbuch ein Anhang die durch Lehrerbeobachtungen definierten individuellen Schwächen beim Lernverhalten dokumentieren. Dies soll ebenfalls die Selbstevaluation der Schüler ermöglichen.

Workshop 5:

Anwendungsmöglichkeiten von „Moodle“ als eine Möglichkeit der individuellen Förderung in den verschiedenen Bildungsgängen

thumb_ws5.jpgDas selbstständige Lernen kann mit Hilfe von eLearning gefördert werden. Daher wurden in diesem Workshop zunächst die technischen Grundlagen zur Anwendung von Moodle vermittelt, wie zum Beispiel die Erstellung von Kursen (Forum, Dateien einstellen, Lerntagebuch). Schwerpunktmäßig wurden aber unter den Kollegen Erfahrungen beim Unterrichtseinsatz der Moodle-Plattform ausgetauscht und auch unterrichtliche Anlässe zur Anwendung von eLearning aufgezeigt.

Workshop 6:

Aktion zur Förderung interkultureller Kompetenzen in den Bildungsgängen/ Europaschule

 

Ziel dieses Workshops war die Planung des Europatages, der am 25. April 2008 in unserem Berufskolleg stattfinden wird. Obwohl wir gerade erst frisch zur Europaschule gekürt wurden, konnten die Kollegen bereits auf vielfältige Erfahrungen zurückblicken, denn in den vergangenen Jahren fanden bereits viele Aktionen zu diesem Thema statt: Fremdsprachentag, Schüleraustausch, Auslandspraktika oder EU-Projekte im Unterricht. Zahlreiche neue Ideen kamen an diesem Pädagogischen Tag zusammen, wobei sowohl unsere bewährten außerschulischen Partner mit einbezogen als auch unsere Schüler an der Organisation beteiligt werden sollen.

Workshop 7:

Förderung des kooperativen Lernens durch Lernsituationen – Entwicklung von konkreten Lernsituationen

thumb_ws7.jpgIn diesem Workshop stand die Erstellung von konkreten Lernsituationen im Vordergrund, bei denen das selbstgesteuerte und kooperative Lernen im Mittelpunkt steht. Die beteiligten Lehrer konnten die Erstellung von Lernsituationen für verschiedene Bildungsgänge ein gutes Stück voranbringen.

 

Anette Grambow