Diese Website nutzt Cookies, um bestmögliche Funktionalität bieten zu können. Mehr Informationen...

 

perel_2.jpgEtwa einhundert Schülerinnen und Schüler unserer Schule hatten am 7. März 2008 die seltene Chance, von einem Zeitzeugen unmittelbar in die dunkle Zeit des Nationalsozialismus mitgenommen zu werden. Sally Perel, vielen besser bekannt als „Hitlerjunge Salomon“ aus der gleichnamigen preisgekrönten Verfilmung seines Lebens, besuchte zum zweiten Mal nach 2006 unser Berufskolleg.

In einem lebhaften, spannenden, mitunter nahe gehenden, jederzeit nachdenklich stimmenden Vortrag erzählte er die außergewöhnliche, ja fast verrückte Geschichte seines Überlebens in einer Zeit, in der sechs Millionen Juden, darunter auch Sally Perels Eltern und seine Schwester, von Deutschen systematisch vernichtet wurden. Von der Mutter mit dem Befehl „Du sollst leben!“ aus dem Ghetto Łódz geschmuggelt, gelang es Perel zunächst, sich mit seinem Bruder in die Sowjetunion durchzuschlagen. Als der Zweite Weltkrieg dorthin vordrang, drohte Perel im Rahmen einer Personenkontrolle standrechtlich erschossen zu werden. Er entledigte sich seiner Papiere und gab sich als Volksdeutscher aus, was überzeugend klang, weil Perel natürlich perfekt Deutsch sprach und spricht – schließlich hat er die ersten zehn Jahre seines Lebens in Peine/Niedersachsen verbracht (und dort, wie er betont, eine glückliche Kindheit verlebt).

Um nur so viel von der Geschichte hier vorwegzunehmen: Das Wunder passiert; Perel wird als Deutscher zunächst vor Ort in Russland in die Wehrmacht aufgenommen und später, weil er noch minderjährig ist und ihn ein kinderloser deutscher Offizier adoptieren möchte, nach Deutschland gebracht. Hier besucht er in Braunschweig eine Schule der Hitlerjugend – und überlebt so inmitten seiner Feinde eine Zeit, die in jeder Sekunde ein Alptraum war, weil ihm permanent die Gefahr drohte, entdeckt zu werden.

Aufgeschrieben hat Sally Perel seine Geschichte erst sehr viel später: Da war er schon Rentner, lebte seit Jahrzehnten in Israel – und dachte über eine sinnvolle Beschäftigung über das Hüten der Enkelkinder hinaus nach. Und er fing an zu schreiben. Und das Leben wurde fürs Kino verfilmt. Und Sally Perel begann, deutschen Jugendlichen seine Geschichte zu erzählen. Inzwischen ist er 83, und ans Aufhören denkt er noch lange nicht, weil nur wer die Vergangenheit kennt, für die Gegenwart und Zukunft gewappnet ist. Dabei geht es Perel, - das betont er immer wieder – nicht darum, bei seinen jungen Zuhörern Schulgefühle zu wecken: Keiner, der vor ihm sitze, sei schuldig! Aber jeder für sich sei verantwortlich, dass sich die Vergangenheit nie wiederhole!

Sally Perel erzählt das alles fesselnd – und die ansonsten für mehr als eineinhalb Stunden durchaus nicht immer ruhigen Schülerinnen und Schüler hörten so gebannt zu, dass man mitunter die sprichwörtliche Stecknadel hätte fallen hören können.

Nach dem Vortrag nutzen einige die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Und als Sally Perel sein Buch signierte, nutzten viele dies, um noch einmal ganz persönlich mit dem „Hitlerjungen Salomon“ ins Gespräch zu kommen – wofür sich Perel gern Zeit nahm.

Das Berufskolleg hofft und wünscht sich, dass dies nicht der letzte Besuch Sally Perels in Herne gewesen ist: Die Einladung, unbedingt wiederzukommen, um auch anderen Schülern seine Geschichte zu erzählen, haben wir ihm jedenfalls mit auf den Weg gegeben!

Damit Geschichte für die Gegenwart und Zukunft vorbereitet!

Zum Schluss sei noch eine Randnotiz erlaubt: Am Tag des Besuches von Sally Perel forderte der Bildungsforscher Klaus Hurrelmann in der WAZ, dass Geschichtsunterricht an den Schulen spannender gestaltet sein müsse, zum Beispiel durch den Einsatz von Zeitzeugen oder Projektarbeit etc. Das ist eine wenig originelle Forderung, denn das BK für Wirtschaft und Verwaltung praktiziert dies im Rahmen verschiedener Projekte schon seit Jahren.

Christopher Wulff