Februar 2026. Zum fünften Mal durften wir in diesem Jahr ein Austauschprojekt mit unserer Partnerschule, der Karsiyaka Lise, in Izmir, durchführen. Unterstützt wurde das Projekt von der Deutsch-Türkischen Jugendbrücke und kofinanziert durch die Europäische Kommission.
Unter dem Titel „Unmasking Fake News: Finding the Truth in the Digital Age“ beschäftigten sich deutsche und türkische Schüler*innen intensiv mit der Frage, wie Fake News entstehen – insbesondere im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz – und wie man sie erkennen kann. Neben der fachlichen Projektarbeit stand vor allem der persönliche Austausch zwischen den Teilnehmenden im Mittelpunkt.
Von unserer Schule nahmen neun Schülerinnen (dieses Mal nur Mädchen) aus den Bildungsgängen Wirtschaftsgymnasium, Berufsfachschule und Höhere Berufsfachschule an dem Austauschprojekt teil. Uns ist besonders wichtig, dass das Projekt für alle Bildungsgänge geöffnet ist, damit alle Schüler*innen die Chance auf einen internationalen Austausch und interkulturelle Erfahrungen erhalten.
Die Reise begann am Sonntag, dem 8. Februar, mit der gemeinsamen Abreise vom Flughafen Düsseldorf. Um 14:15 Uhr startete der Flug Richtung Izmir. Für einige Schülerinnen war es der erste Flug in die Türkei, entsprechend groß war die Aufregung. Nach der Landung gegen 19:00 Uhr wurden wir bereits von unseren Austauschpartner*innen herzlich empfangen. Nach dem Check-in in unserer Unterkunft trafen wir uns zu einem gemeinsamen Abendessen. In lockerer Atmosphäre kamen schnell erste Gespräche zustande und die anfängliche Nervosität wich spürbarer Vorfreude auf die kommenden Tage.
Der Montag stand ganz im Zeichen des Kennenlernens und der ersten inhaltlichen Annäherung an das Projektthema. In der Schule, der Karsiyaka Lise, begann der Tag mit verschiedenen Kennenlernspielen, die halfen, schnell miteinander ins Gespräch zu kommen. Besonders viel Spaß machte ein gemeinsamer Folkloretanz, bei dem viel gelacht wurde und erste Hemmungen verschwanden. Zur Mittagszeit hatten die türkischen Schüler*innen ein gemeinsames Essen vorbereitet, das eine gute Gelegenheit bot, sich weiter auszutauschen und den Schulalltag kennenzulernen. Am Nachmittag stellte die türkische Gruppe ihre Schule, ihre Stadt und erste Aspekte des Projektthemas vor. Dabei erhielten wir einen Einblick in ihren Blick auf Medien und Desinformation. Anschließend nahmen wir an einem kleinen Workshop teil, in dem echte Nachrichten mit Fake News gemischt waren. Unsere Aufgabe bestand darin, diese voneinander zu unterscheiden. In Gruppen diskutierten wir, woran sich manipulierte Inhalte erkennen lassen und welche Kriterien bei der Bewertung von Nachrichten helfen können. Der Workshop war ein gelungener Einstieg in das Projektthema und zeigte bereits, wie wichtig ein kritischer Umgang mit Informationen im digitalen Raum ist.
Der Dienstag begann mit einem gemeinsamen Frühstück in der Schule. In lockerer Atmosphäre kamen wir weiter miteinander ins Gespräch, bevor wir erneut einige kurze Icebreaker-Spiele machten, die für gute Stimmung sorgten und die Gruppe noch enger zusammenbrachten. Anschließend durften wir die Probe des Schulchores der Karsiyaka Lise besuchen. Der Chor ist in der Türkei mehrfach ausgezeichnet worden und genießt an der Schule einen besonderen Stellenwert. Für uns war es sehr beeindruckend zu sehen, mit welcher Leidenschaft und Professionalität die Schülerinnen und Schüler dort proben.
Im weiteren Verlauf des Tages machten wir uns auf den Weg zur Ege Universität. Dort hörten wir einen Fachvortrag von Dr. İlknur Aydoğdu Karaaslan, Dozentin an der Fakultät für Kommunikation im Fachbereich Journalismus. In ihrem Vortrag erklärte sie, wie Fake News aufgebaut sind, welche Strategien bei ihrer Verbreitung genutzt werden und warum kritisches Hinterfragen von Informationen im digitalen Zeitalter immer wichtiger wird. Besonders interessant war auch der anschließende Einblick in die Medienwerkstatt der Fakultät. Dort produzieren Studierende eigene Nachrichtenformate und Fernsehbeiträge und lernen so praxisnah, wie journalistische Arbeit funktioniert.
Am Mittwoch wurden wir von Arzu Günaydın, der Leiterin der örtlichen Schulbehörde des Bezirks Karşıyaka, empfangen. In dem Gespräch stellte unsere Gruppe das Projekt und die bisherigen Ergebnisse vor. Frau Günaydın zeigte großes Interesse an der Zusammenarbeit zwischen den beiden Schulen und betonte, wie wichtig internationale Bildungsprojekte für junge Menschen seien. Der Austausch war offen und wertschätzend und gab uns das Gefühl, dass unsere Arbeit auch auf offizieller Ebene wahrgenommen wird.
Im Anschluss besuchten wir einen traditionellen Basar in Izmir. Zwischen Gewürzen, Stoffen und kleinen Geschäften konnten wir das lebendige Alltagsleben der Stadt erleben. Viele nutzten die Gelegenheit, kleine Souvenirs zu kaufen oder einfach durch die Gassen zu schlendern.
Der ursprünglich geplante Ausflug nach Foça musste am Donnerstag leider wetterbedingt ausfallen. Stattdessen organisierten unsere Gastgeber kurzfristig eine Stadtrallye im Stadtteil Konak. In gemischten deutsch-türkischen Gruppen erkundeten wir verschiedene Stationen und lösten Aufgaben rund um Geschichte, Kultur und Alltag der Stadt. Trotz Regens war die Stimmung hervorragend, und die Rallye entwickelte sich schnell zu einem echten Teamprojekt. Die gemeinsame Arbeit zeigte, wie gut die Gruppe inzwischen zusammengewachsen war.
Am Freitag setzten wir unsere Projektarbeit fort und beschäftigten uns intensiver mit Methoden zur Erkennung von Fake News. Dabei diskutierten wir unter anderem, wie wichtig Quellenprüfung, Faktenchecks und ein kritischer Umgang mit digitalen Informationen sind. Am Nachmittag stand ein Besuch beim Fernsehsender TV9 İzmir auf dem Programm. Im Gespräch mit Journalistinnen und Journalisten erhielten wir spannende Einblicke in den Medienalltag. Besonders deutlich wurde, unter welchem Zeitdruck Redaktionen arbeiten und wie schwierig es sein kann, Informationen schnell und gleichzeitig zuverlässig zu überprüfen.
Anschließend wurden wir von der Bildungsstiftung der Karsiyaka Lise empfangen. Dort stellten wir unsere Projektergebnisse vor und präsentierten die Kriterien, die wir zur Erkennung von Fake News erarbeitet hatten. In einem offenen Gespräch wurde außerdem über mögliche zukünftige Kooperationen gesprochen.
Der Samstag begann mit einer erneuten Einladung der Stiftung zu einem gemeinsamen Frühstück. In entspannter Atmosphäre tauschten wir uns über weitere Projektideen und die Zukunft der Zusammenarbeit aus. Dabei wurde deutlich, dass beide Schulen die Partnerschaft langfristig weiterführen möchten.
Im Anschluss besuchten wir das antike Smyrna und die Agora von Smyrna. Zwischen antiken Säulen und historischen Mauern bekamen wir einen eindrucksvollen Einblick in die lange Geschichte der Stadt. Viele von uns fanden den Kontrast zwischen der antiken Umgebung und unserem modernen Projektthema rund um digitale Medien besonders spannend.
Der Nachmittag stand schließlich zur freien Verfügung. Viele nutzten die Zeit, um noch einmal durch die Stadt zu gehen, den Basar zu besuchen oder gemeinsam einen letzten Spaziergang zu machen.
Am Sonntagvormittag hieß es dann Abschied nehmen. Um 11:00 Uhr traten wir die Rückreise nach Deutschland an. Nach nur einer Woche fiel der Abschied erstaunlich schwer, denn in dieser kurzen Zeit waren viele neue Freundschaften entstanden. Neben wertvollen fachlichen Erkenntnissen zum Thema Fake News nehmen wir vor allem persönliche Erfahrungen, neue Perspektiven und viele schöne Erinnerungen mit. Der Austausch hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig internationale Zusammenarbeit und Medienkompetenz in einer zunehmend digitalen Welt sind.
PS: Ein Ergebnis unserer Projektarbeit ist dieser Fake-News-Erkennungs-Trichter. Er zeigt kurz, wie man Nachrichten prüfen kann: Zuerst die Quelle kontrollieren, dann die Überschrift auf reißerische Formulierungen prüfen. Anschließend den Inhalt auf Fakten und Belege anschauen. Beim Medienvergleich prüft man, ob auch andere seriöse Medien über dasselbe Thema berichten. Zum Schluss werden Bilder oder Videos darauf überprüft, ob sie wirklich zum Inhalt passen. So werden viele fragwürdige Meldungen herausgefiltert – und am Ende bleiben möglichst vertrauenswürdige Nachrichten übrig.
Feedback der Schülerinnen zur Projektarbeit in Izmir
Sinem (11A) : „Ich war am Anfang total aufgeregt, aber die Woche hat mir gezeigt, wie schnell man neue Leute kennenlernen kann. Besonders schön fand ich, wie offen alle miteinander umgegangen sind.“
Tusem (11A) : „Der Austausch hat mir gezeigt, wie wichtig Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Ländern ist. Man hat gemerkt, dass uns trotz unterschiedlicher Hintergründe viele ähnliche Themen beschäftigen.“
Jeeny (11A): „Das Thema Fake News fand ich besonders spannend. Mir war vorher nicht bewusst, wie leicht sich falsche Nachrichten erstellen lassen.“
Anastasija (11A): „Ich fand es beeindruckend, wie interessiert alle an unserem Projekt waren. Man merkt, dass solche internationalen Projekte wirklich etwas bewegen.“
Vivien (11A): „Am meisten Spaß gemacht hat mir die Zusammenarbeit in gemischten Gruppen. Man hat schnell gemerkt, dass man gemeinsam viel erreichen kann
Albina (11A): „Der Besuch bei TV9 war für mich ein Highlight. Es war spannend zu sehen, wie Journalisten arbeiten und welche Verantwortung sie tragen.“
Elif (BFS1c): „Ich fand es toll, dass wir unsere Arbeit auch vor anderen präsentieren konnten. Das hat gezeigt, dass unser Projekt ernst genommen wird.“
Esra (BFS1c): „Der Austausch war für mich eine besondere Erfahrung. Es war interessant, neue Menschen kennenzulernen und gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten. Dabei habe ich gemerkt, wie viel man voneinander lernen kann.“
Hnade (HBFU2): „Die kulturellen Ausflüge waren sehr beeindruckend. Besonders die Agora hat mir gezeigt, wie viel Geschichte in dieser Stadt steckt.“
Bericht und Fotos: Ilka Günther und Fuat Güngör
Hinweis: Das Projekt wird von der Deutsch-Türkischen Jugendbrücke unterstützt und von der Europäischen Kommission kofinanziert. Für den Inhalt ist allein die Verfasserin/der Verfasser verantwortlich; die Europäische Kommission übernimmt keine Haftung für die weitere Verwendung der darin enthaltenen Informationen.











