März 2026. Geschichte aus Geschichtsbüchern, dazu eingepfercht in eine Schulstunde, kann eine sehr abstrakte Angelegenheit sein. Deshalb ist es sinn- und wertvoll, gelegentlich die Schule zu verlassen und den Unterricht an Orte zu verlegen, an denen Geschichte stattgefunden hat oder man ihr auf andere Weise begegnen kann.
Mehrere Klassen des Beruflichen Gymnasiums und die FOS 13 hatten jetzt dazu an unterschiedlichen Orten Gelegenheit.
So besuchten zwei Gruppen die Anne Frank-Ausstellung, die in der Aula des Haranni-Gymnasiums in Herne zu sehen war. Das dort gewählte Konzept, dass Schüler*innen die Führungen übernehmen, sorgte nicht nur für eine Begegnung auf Augenhöhe, sondern auch für eine intensive und konzentrierte interaktive Auseinandersetzung mit dem Thema. Dies wurde noch verstärkt durch die Konzeption der Ausstellung: Während es einerseits um das Leben von Anne Frank, eines Mädchens mit Träumen, Zukunftsideen und Lebensfreude und ihre Ermordung durch Deutsche als Resultat deutscher gesellschaftlicher und politischer Entscheidungen ging, leistete die andere Hälfte der Ausstellung den Transfer in unsere Zeit: Was macht uns aus? Wie steht es um Vielfalt und Diversität? Wie kann man jenen begegnen, die eine Gesellschaft nach freiheitlich-demokratischen Grundsätzen in Frage stellen und zerstören wollen? Sorgfältig vorbereitet und mutig haben Toana und Furkan unsere Schüler*innen an die Geschichte heran- und dann mitten in sie hineingeführt. Das war beeindruckender Geschichtsunterricht an anderem Ort!
Ein ganz anderes Konzept des Erinnerns an den Nationalsozialismus war auf Zeche Zollverein in Essen zu erleben. Ins Leben gerufen vom Verein ZWEITZEUGEN e.V. konnten unsere Schüler*innen dort im Rahmen der Holo-Voices-Ausstellung mit Inge Auerbach, einer Überlebenden der Shoah in ein virtuelles Gespräch kommen. Möglich ist dies, weil Inge Auerbach ein mehr als 900 Fragen umfassendes Interview gegeben hat und dabei mit Hologramm-Kameras gefilmt wurde. Eine KI ermöglicht es nun, dass die Zeitzeugin die Fragen der Schüler*innen zu ihrem Leben und ihren Erlebnissen beantwortet, indem sie aus den Interview-Antworten von Inge Auerbach in Sekundenbruchteilen jene Informationen filtert und das Hologramm der Zeitzeugin sagen lässt, die zu den Fragen der Schüler*innen passen. Das war nicht nur beeindruckend, sondern gab zugleich einen Eindruck, wie Erinnerungsarbeit in Zukunft aussehen kann.
Eingebettet war das Zusammentreffen mit Inge Auerbach in den Besuch einer Ausstellung zum Thema Zwangsmigration und Zwangsarbeit mit klaren Bezügen zum Ruhrgebiet, die deutlich machte, dass der Nationalsozialismus kein abstraktes Kapitel in den Geschichtsbüchern ist, sondern hier vor Ort und für alle sichtbar, die sehen wollten, stattgefunden hat. Die sehr sensible, den Schüler*innen gegenüber außerordentlich wertschätzende Führung seitens einer Mitarbeiter*in von ZWEITZEUGEN e.V. hat Impulse gesetzt, die auf eine Weiterbeschäftigung mit dem Thema neugierig machen.
Text und Fotos: Christopher Wulff











